Heute möchte ich mal ein ganz ganz schwieriges Thema ansprechen. Und das hat etwas mit „WIR“ und „DIE“ zu tun. Etwas mit „VORBILD“ und „BEST PRACTICE“. Etwas mit „VERANTWORTUNG“ und  „SCHEIN oder SEIN“. Und das ist die Pferdegesundheit im Kontext der „Profis am Pferd“.

Wir müssen reden Schätzchen! 

Ich habe lange nachgedacht wie ich, ohne übermäßige Garstigkeiten, mal den Fokus auf ein Thema richten kann, was mir am Herzen liegt und wo ich doch recht viel Murks zu sehen bekomme. Wie ihr wisst bin ich auf sehr vielen Messen und Veranstaltungen vertreten. Im 2-Jahres-Rythmus beschicke ich ca. 12 Großveranstaltungen. Und da bin ich nicht alleine. Man kennt sich. Manchmal sehe ich die lieben Kollegen aus der Pferdebranche öfter als manch einen meiner Freunde. Und wie das so ist, trifft man sich auch schonmal auf Kursen.
Viele der Kollegen bringen ihre Pferde mit auf Messen. Und das ist auch gut so. Ernsthaft. Ich finde das, rein wissenschaftlich betrachtet, nicht schlimm wenn man ein gut vorbereitetes Pferd mit auf eine solche Veranstaltung nimmt. Sofern das Pferd, wie gesagt, gut vorbereitet und fit ist. Und wenn es nicht fit ist, dann fährt man es halt nach Hause oder lässt es gleich da.
Viele Kollegen arbeiten zuhause auch mit ihren Pferden. Ob als Schulpferd oder als Demo-Partner. Auch kein Problem. Wenn es mal krank ist, bekommt es dann halt die therapeutische oder tierärztliche Aufsicht die es braucht. Und bevor es komplett durch ist, sorgt man für geeigneten Nachwuchs.

Fertig.

Damit wäre der Blog hier zu ende. Einen schönen Tag noch!

 

Aaaaber leider leider ist es in der Welt der Profis am Pferd keinen Deut besser als anderswo. Es gibt gute Pferdeleute – und die anderen. Ein paar gruselige Geschichten gefällig? Da habt ihr doch schon drauf gewartet 😉  Gebt es zu.

Wie wäre es mit einem testosterongeladenen jungen Mann, der mir nach 3 Glas Wein am Abend erzählt sein Showpferd ist „gerade gespritzt“ und vollgepumpt mit Schmerzmitteln. Das Pferd hatte auch noch paar Tage vor sich. Muss man halt durch – als Pferd.

Oder die Profitrainerin deren Pferd vor der Abendshow schnell noch ne halbe Tube Relaquin reingedrückt kriegt und dann als „ach so cool“ präsentiert wird. Rührseelig unter Tränen wird noch schnell was vom Seelenpferd gefaselt. Ohne das Medikament ist das Pferd ein zitternder Haufen Elend was gern mal Nachts im Stallzelt kolikt.  Ich würde sagen: Falscher Job fürs Pferd. 

Oder aber eine Abendshow vor 3000 Leuten und das schicke Pferd hustet sich die Lunge aus dem Leib – aber the show must go on. Und weder Trainer noch Reiter reagieren adäquat. Der hat schon immer gehustet. Ehm – ja. 

Ein massiv adipöses Pferd in einer Barock-Demo – aber hauptsache Wallakleidchen. Ist doch schick! Leistungsträger und so. Schwere Knochen? 

Eine Gruppe ausgefranster Norweger mit Ektoparasiten in einem Schaubild „natürlicher Umgang mit dem Pferd“. Ok, auch Ektoparasiten sind Natur. Da freut man sich, wenn man in der Nachbarbox steht. Glitzerspray hilft. 

2 klirrende Hufeisen im Stallzelt. Macht nix – im Showring hört man das nicht mehr.

Ein Showpferd was in diesem Jahr 38(!) Showwochenenden absolviert hat. Läuft doch so gut. Und im LKW fühlt sich das Pferd sicher wie zuhause. Haha….ha. 

Ein frisch mit Magengeschwüren diagnositiziertes Pferd mit poppiger Musik in einer Demo zur Springgymnastik. War halt kein anderes Pferd da. „Da muss man halt mal den „Arsch zu kneifen.“ Echt jetzt?  

Ein end-erschöpftes Pferd in einem Showabend, nachdem es tagsüber 5 Demos gegeben habt, was sich einfach in den Ring legt und auch nur mit starkem Körpereinsatz wieder zum Aufstehen zu bewegen ist (bevor die Shownummer vorbei ist). „Ach schau, wie toll er mir vertraut!“ Nee, der Bock ist fertig. 

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Pferde können Show. Viele Pferde MÖGEN das sogar. Die finden das gut. Denen macht das wirklich nichts aus, sofern man es nicht übertreibt. Die sind nicht gestresst vom Applaus. Veranstaltungsboxen finden die zwar nicht so mega cool, aber die meisten dort fressen gut, schlafen gut und die Performance ist gut. Die stecken das weg. Die kennen ihren Job und machen ihn auch gern. Glaubt mir, denn ich sehe mir all meine Kundenpferde nach dem Showtag an, wenn ich vor Ort bin. Viele der Profis sind meine Kunden und gute Leute. Die stellen ihr Pferd nach vorne und tauschen zum Beispiel auf langen Messen die Pferde einmal oder sogar zweimal aus. Die haben eine maximale Anzahl an Veranstaltungen die sie diesem oder jenem Pferd pro Jahr zutrauen…und dann ist halt gut. Die kümmern sich auch super um die Pferde. Die Pferde sehen gut aus, sind fit, gesund und GEPFLEGT. Und wenn das Tier nicht fit ist, dann wird es nach Hause gebracht. Oder sogar garnicht erst mitgenommen.

Vielleicht hat der eine oder andere schonmal eine Show gesehen die mit den Worten begann: „Eigentlich sollte hier mein Pferd XY laufen, aber leider ist der krank. Ich hab hier ein junges unerfahrenes Pferd dabei und möchte Sie bitten nicht so laut zu jubeln um dem Pferd einen guten Einstieg zu ermöglichen.“ DAS ist pferdefreundliches Verhalten.
„Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen hier nicht großes Bohei präsentiere sondern nur im Schritt im Kreis reite um das Pferd gut auf seinen Job in 2-3 Jahren vorzubereiten“ ist der schönste Satz den man auf einer Veranstaltung hören kann. Das ist doch echte Pferdeliebe. Und echte Professionalität. Und DAS merken sich die Leute im positiven Sinne.
„Dieses Pferd hat ein paar Defizite im Exterieur. Statt mega Tamtam zeige ich Ihnen heute, wie man damit umgeht“ finden die Leute auch spannender als den 100sten fetten Hengst in der taktunreinen Schwabbel-Piaffe.

Liebe Mitprofis. IHR seid die Vorbilder. Ein Vorbild ist man nicht, indem man der geilste, lauteste, krasseste oder spektakulärste ist. Man muss nicht die lustigste sein, die coolste, die wasweißich. Man braucht keine Special-Effects um gut zu demonstrieren/reiten/unterrichten. Ihr müsst, von mir aus, nichtmal nen Helm tragen – auch wenn ich es besser fände. Jeder bringt sich so um wie er mag. Aber eure Pferde müssen im Lack sein. DAS ist die Visitenkarte. DARUM geht es.  Ein Vorbild ist man, wenn man souverän in allen diesbezüglichen Lebenslagen ist. Und wenn mal was daneben geht – nicht schlimm. Draus lernen und verbessern. Wir lernen alle und niemand ist perfekt.

Aber nichts ist so schädigend für das Ansehen, wie ein unfittes Pferd mit auf eine Veranstaltung nach der anderen zu schleifen. Ist das Pferd zu dick, zu dünn, zu alt oder schlicht krank hat das auf einer Veranstaltung nichts verloren. Habe ich einen Profi der nicht in der Lage ist, sein Pferd vernünftig zu pflegen, ist er oder sie kein Profi. Wenn es an den einfachsten Dingen hapert wie Ernährung, Hufpflege,  Gesundheitssorge, Passform der Gerätschaften auf dem Pferd und schlicht auch Pferdeliebe, dann muss man überlegen ob der Pferdemarkt der richtige ist. Nichts ist so unsexy wie eine Doppelmoral in der ein krankes Pferd geshowed wird, während man was von „pferdegerechter Ausbildung“ daher redet. Es muss doch irgendwo ein Mindestmaß an Respekt und Vernunft zu finden sein. Mehr schöne Bilder, selbst wenn sie weniger spektakulär sind, bringen mehr Pferdewohl. Die Gleichung ist denkbar einfach. Denn das, was WIR vormachen, machen andere nach.

Deswegen macht Purzel auch Sport und die Besitzerin von Purzel auch. Denn was funktioniert besser als einfach mal mit gutem Beispiel voran zu gehen. Auch wenn das unspektakulär ist. Stellt euch mal vor meine Pferde wären ständig krank, hätten EMS, Hufrehe oder sonstiges und blieben unbehandelt. Oder sie hätten ein stumpfes Fell, Magengeschwüre oder seltsame Hufe oder leben in 24-Stunden Boxenhaltung. Das wäre ziemlich peinlich.