Heute möchte ich ein Thema aufgreifen, dass mir sehr viele Bauchschmerzen bereitet: Die Quarantäne.

Ein Stallwechsel ist immer eine aufregende Angelegenheit. Denn meistens geschieht er aus einem guten Grund und ist hoch emotional. Der Stall ist auch für uns Menschen ein Lebensraum. Den einen Stall verlassen wir um in einen neuen zu gehen. Da können die Emotionen schon mal hoch kochen. Ob Stress und Ärger, ein Wohnungswechsel oder schlicht andere Bedürfnisse – es gibt viele Gründe warum man eine Stallsituation verändert. Oder man hat sich schlicht ein neues Pferd gekauft und wartet nun sehnsüchtig auf den LKW der Spedition.

Kaum ist man selbst mit dem Pferd oder das neue Pferd angekommen, wird es ausgeladen und in die Box zwischen neue Pferde oder den Eingewöhnungsbereich eines Offenstalls gestellt damit es direkt die Pferde kennen lernen kann. Manchmal stellt man das Pferd aber auch schlicht direkt zu seinen neuen Freunden. Tor auf, Pferd rein, Tor zu.

Dass man damit jedoch sowohl das eigene Pferd als auch den restlichen Bestand gefährdet vergisst man in der Aufregung des Tages schnell. Und damit ist nicht die Verletzungsgefahr gemeint. Was ist, wenn das neue Pferd zum Beispiel eine Infektionskrankheit mitbringt und in Windeseile dem ganzen Stall die Influenza beschert. Oder Herpes. Oder Druse.
Oder umgekehrt: Was ist, wenn im Bestand mehrere Hochauscheider von Druse stehen und die Bestandspferde damit umgehen können – das neue Pferd aufgrund von Stress und mangelnder Immunität jedoch nicht?
Oder vielleicht bringt das neue Pferd aus dem Ausland nun die Infektiöse Anämie mit – oder Parasiten, die es seit Jahrzehnten in Deutschland nur noch vereinzelt gegeben hat und kontaminiert nun die ganze Fläche und macht sie unbrauchbar. Es dauert Jahre bis man die zum Teil lebensgefährlichen Parasiten wieder los geworden ist. Oder es beglückt den ganzen Bestand mit Ektoparasiten. Herrlich so eine Haarlingsepidemie. Oder sogar Salmonellen?

Seit vielen Jahren lässt sich mit Pferden aus dem Ausland viel Geld verdienen. Günstig sollen sie sein, am besten was „gerettetes“. Hauptsache niedlich. Egal ob Irland, Spanien oder Portugal, Rumänien oder aus den USA. Es wird fleißig importiert für jeden Geldbeutel.
Per se ist dagegen auch nichts einzuwenden – wenn man weiß was man tut. Viele der Pferde kommen aus unbekannter Herkunft mit unbekannter Aufzucht. Es gibt keine Aufzeichnungen über Impfungen, Entwurmungen oder generell eine Gesundheitsakte. Oder gar einen Test auf EIA oder andere Infektionskrankheiten.  Die Zahl der Pferde mit unbekannter Historie nimmt seit Jahren rasant zu und damit auch immer wieder große Erkrankungswellen. Denn gerade im innereuropäischen Grenzverkehr ist lediglich ein Gesundheitszeugnis verpflichtend, was – wenn ich ehrlich bin – oft keinerlei Aufschluss über den Gesundheitszustand zulässt. Denn nicht jeder europäische Veterinär nimmt es damit so genau wie es eigentlich sein sollte. Im Laufe der letzten 15 Jahre hatte ich für meine Pferde öfter den Amtsveterinär zu Besuch. Natürlich nur zur Ausstellung eines Gesundheitszeugnis. 😉  Und die meisten haben meine Pferde vor den Auslandsreisen sehr gewissenhaft untersucht. Gleiches gilt auch für meine behandelnden Tierärzte. Ich habe jedoch auch schon erlebt, dass der Tierarzt das Pferd von Ferne angeschaut hat und lediglich gefragt hat ob es hustet.

Ein neues Pferd ist immer ein Infektionsrisiko. Auch ein gut gepflegtes Pferd aus einem guten Bestand kann immer etwas unbemerkt dabeihaben. Das kann viele Pferdeleben kosten, viel Geld und auch für einen Pferdestallbetreiber das finanzielle Ende bedeuten. Dabei wäre es ganz einfach:

Eigentlich sollten neue Pferde erst einmal 14 Tage separat stehen. Kein Körper- sondern nur Sichtkontakt zu anderen Pferden. Kein gemeinsames Nutzen der Tränke und eigene Mistgabeln oder andere Gerätschaften, damit nichts mit dem Bestand in Kontakt kommt. Denn in diesen Tagen kann sich das Pferd an die neue Situation gewöhnen, aber auch langsam an den Keimdruck im neuen Stall.  Jeder der mit dem Pferd hantiert desinfiziert sich Hände und Schuhe. Eventuell auch die Kleidung. In dieser Zeit kann man mal einen genauen Blick auf den Parasitenstatus des neuen Pferdes werfen und schauen, ob es Fieber bekommt. Man kann sehr genau schauen ob das Pferd den einen oder anderen Hautparasiten oder einen Pilz mitbringt. Vielleicht sind Bluttests oder Titerbestimmungen sinnvoll.

Es sind nur 2 Wochen, die man sich die Zeit nehmen sollte, sich die Stiefel und die Hände zu desinfizieren. Nur 2 Wochen die das Pferd halt nicht direkt mit anderen Pferden zusammen kommt.  Das überlebt jedes Pferd – eine Herpesinfektion aber vielleicht nicht. Eine Quarantänezeit ist ein Schutz für das eigene Pferd, für die Pferde anderer Leute und auch für den Stallbetreiber.

Natürlich kann man mit seinem privaten Pferd so verfahren wie man möchte. Das ist jedem selber überlassen. Aber wenn Dritte mit beteiligt sind, trägt jeder auch diesen gegenüber einer Verantwortung.Es ist mir irgendwie unverständlich, wenn ich Anlagen sehe, die dafür nicht einmal die Möglichkeit haben Pferde separat zu stellen und stattdessen völlig fremde Pferde einfach zackzack in den Bestand holen. Wenn dort etwas ausbricht, hat der ganze Stall was davon – ob man will oder nicht.