Ein Interview für das Magazin „Country-Reiten“. Das möchte ich euch nicht vorenthalten. 🙂

Gute Pferdefütterung ist gar nicht so schwer – wenn man weiß, wie es geht!

 

Conny Röhm ist studierte Pferdewissenschaftlerin und hat sich auf die Pferdeernährung spezialisiert. Nach ihrem Studium in England und den Niederlanden ist sie seit vielen Jahren mit ihrer Fahrpraxis in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Wohl der Pferde unterwegs.

 

Seit 2017 betreibt sie an ihrem Tierwissenschaftlichen Institut TWI nicht nur wissenschaftliche Forschungen rund um die Tierfütterung, sondern bietet mit ihrer „Meisterklasse“ auch eine Ausbildung im Nebenberuf von Profis für Profis. Im Interview verrät sie, worauf es bei der Pferdefütterung ankommt, welche Fehler sich vermeiden lassen, wie man sich als Futterberater erfolgreich selbstständig machen kann und was dieser Beruf für sie selber bedeutet.

 

Warum ist Futterberatung so wichtig?

Eine gute Futterberatung ist wichtig, da die Ernährung von Mensch und Tier untrennbar mit dem Begriff „Gesundheit“ verbunden ist. Die Welt und die Forschung im Ernährungsbereich entwickeln sich immer schneller und als Pferdebesitzer kann man kaum noch unterscheiden, was Realität ist und der Mythos beginnt. Gerade in der Pferdeernährung sieht man sich starken Marketingeinflüssen gegenüber. Um also sein Pferd optimal zu ernähren und nicht irgendwelchen Werbeversprechen aufzusitzen, muss man sich entweder selbst tief in das Thema begeben oder auf einen Futter-Profi mit einer wirklich vernünftigen Ausbildung zurückgreifen. Der Aufwand lohnt sich, denn eine gute Ernährung spart nicht nur Tierarztkosten, sondern sorgt vor allem dafür, dass ein Tier glücklich und gesund leben kann.

 

Was sind die größten Fehler, die man in der Pferdefütterung machen kann?

Die größten Fehler entstehen immer aus Unwissen. Egal in welche Richtung: Je weniger man eine Situation überhaupt erkennt oder einschätzen kann, desto höher ist das Risiko für Erkrankungen des Tieres. Koliken, Hufrehe, Stoffwechselerkrankungen wie EMS und IR, Adipositas, Magengeschwüre, Kotwasser, Verhaltensauffälligkeiten, Stress, Leistungsschwäche – all dies entsteht normalerweise daraus, dass irgendetwas nicht zeitig „erkannt“ wurde.

 

Was sind deine drei wichtigsten Tipps, die man sofort bei der Fütterung von Pferden verbessern kann?

Die drei wichtigsten Tipps – mhm, das ist schwer, aber ich würde sagen

1.) Ein Pferd darf nie hungern, aber gleichzeitig ist ad libitum Heu nicht immer die beste Idee. Aus dieser „Falle“ kann man aber leicht entkommen. Das zeigen wir schon in den Basiskursen, wie das geht.

2.) Nur ein glückliches Pferd ist ein gesundes Pferd. Man muss den Anspruch des Pferdes an die Haltung immer beachten. Deswegen mag ich das Wort „Artgerecht“ nicht. Ich halte es lieber mit dem Begriff „Tiergerecht“. Also individueller.

3.) Individuelle Rationen sind das A und O. Pferdefütterung muss weder teuer noch aufwändig sein, aber man muss den Bedarf seines Pferdes kennen und entsprechend füttern. Das ist gar nicht so schwer wie manche glauben.

 

Was genau ist die Futterberatung Röhm, bzw. das TWI?

Die Futterberatung Röhm ist das, was der Name schon vermuten lässt. Seit beinahe 15 Jahren berate ich hauptberuflich Pferdebesitzer, Pferdebetriebe, Tierärzte und Hersteller im Bereich der Pferdeernährung und Gesundheit. Im Laufe der Jahre und mit den vielen hundert Kunden mit ihren Pferden entwickelte sich auch mein Kursangebot weiter. Mittlerweile gebe ich ca. 45 Kurse pro Quartal zusätzlich zu meiner Beratungspraxis. Dazu kommen noch verschiedene Pferdemessen, zu denen ich eingeladen werde, um in den dortigen Fachforen zu referieren. Im Jahr 2017 habe ich das Tierwissenschaftliche Institut TWI übernommen und seitdem baue ich es mit meinem Team weiter aus, um die wissenschaftlichen Grundlagen der Pferdefütterung, aber auch der Fütterung anderer Tiere, systematisch auszubauen.

 

An wen richtet sich das TWI und was bietet ihr an?

Wir schulen im TWI Tierärzte und Therapeuten in Fragen des Tierwohls, der Ernährung, der Haltung und vielen weiteren Themen. Zudem bieten wir für angehende Futterberater mit der „Meisterklasse“ eine professionelle, 2,5-jährige Ausbildung, die nebenberuflich absolviert werden kann.

Zudem bilden wir Menschen in Sachen optimale Fütterung auch für die Bereiche Kleintiere, Neuweltkameliden, Schafe und Ziegen, Bienen, Hühner und Rinder aus. Dabei geht es jedoch nicht um die Nutzenmaximierung, sondern unser Hauptfokus liegt auf dem Tierwohl, dem Verhalten und der passenden Ernährung.

In unseren Kursen kommen viele, sehr renommierte Dozenten zum Einsatz, die durchaus auch schon mal sehr unterschiedlichen Ansätze verfolgen. Das ist uns wichtig, denn unser Fokus liegt auf Bildung – mit alle Facetten. Wir arbeiten umfassend und wissenschaftlich, ohne Dogmen und Glaubenssätze. Offenheit ist die Grundlage unserer Erkenntnisse.

 

Was kann ich mir unter der „Meisterklasse“ vorstellen?

Die Meisterklasse ist der Kurs, den man braucht, um später wirklich fundiert, umfassend und professionell im Ernährungssektor arbeiten zu können. Die Ausbildung dauert 2,5 Jahre und läuft nebenberuflich. Die Absolventen sind danach absolut fit in Ernährung und zu 100 % mythenfrei unterwegs. Sie haben ein sehr breites biochemisches Wissen, konnten in viele Seitenaspekte der Ernährung hineinschauen und kennen sich bestens aus in Futtermittelkunde.

 

Man kann damit also einen Grundstein für eine Selbstständigkeit legen?

Ja, es ist der beste Grundstein, um gut und selbstbestimmt davon leben zu können.

 

Was passiert, wenn man seine Meisterklasse abgeschlossen hat?

Dann ist man fit in Ernährung. Die Absolventen gehen entweder direkt in die Selbstständigkeit oder integrieren die Erkenntnisse der Ausbildung in ihre schon bestehenden Pferdeberufe, ganz gleich, ob sie Tierarzt oder Tierheilpraktiker, Physio- oder Osteotherapeut, Hufbearbeiter, Tiermedizinische Fachangestellte oder auch Pferdewirtschaftsmeister – oder eben einfach „nur“ Pferdeernährer sind. Die Nachfrage nach profunder Beratung ist enorm und es ist mir ein Herzensanliegen, die besten Berater in Europa auszubilden. Und für mich ist es nach wie vor der spannendste und erfüllteste Beruf der Welt.